Die Symbolik der Schnecken und Muscheln seit der Entstehung des Menschen

In vielen Kulturen wurden Muscheln als Nahrungsmittel verzehrt. “Køkkenmøddinger”, ein kontinental-europäischer Fachbegriff der aus Dänemark stammt, bezeichnet solche prähistorischen Abfallhaufen die zumeist Küchenabfälle, d.h. Überreste aus Meeres- und Malakofauna (Muschelschalen, Schnecken- gehäuse etc.) aber auch Geräte aus Feuerstein, Herdstellenreste, Holzkohle, Keramiken und menschliche Skelettreste beinhalten können. Im anglo-amerikanischen Raum lautet der archäologische Fachausdruck für Køkken- møddinger shell midden.
Die ältesten Funde von Muschelhaufen stammen aus Terra Amata bei Nizza. Sie werden auf ein Alter von ca. 400.000 Jahren geschätzt. In der archäologischen Forschung wird davon ausgegangen, dass in der letzten Interglazialzeit (letzte Warmzeit oder Zwischenkaltzeit vor ca. 128.000-117.000 Jahren) eine intensive Nutzung der Meeresressourcen einsetzte. Die ältesten Funde von Muschelhaufen und Steinwerkzeugen stammen von den Pinnacle-Point-Menschen aus Afrika und sind ca. 164.000 Jahre alt (ausgehendes Paläolithikum). Bei Ausgrabungen in mehreren Höhlen von Pinnacle-Point fanden sich Nachweise für die systematische Nutzung von Meeresressourcen (Muscheln) als Nahrungsmittel und für symbolische bzw. rituelle Handlungen. Die Vielzahl der Køkkenmøddinger-Funde in allen Erdteilen, in verschiedenen Kulturen und aus den unterschiedlichsten Zeitaltern (bis ins Mittelalter) zeigt, welche grundlegende Bedeutung Muscheln und Schnecken seit alters her für den Menschen haben.
Besondere Bedeutung im Zusammenhang mit rituellen Handlungen erhalten die Køkkenmøddinger besonders in jenen Fällen, in denen im inneren der Muschelhaufen Bestattungen vorgenommen wurden (USA, Irland). Es wird angenommen, dass die Bestattung der Angehörigen einerseits mit der Wiederkehr der Nahrungsgrundlage in Zusammenhang zu bringen ist, andererseits ein Festessen als Bestattungsritus darstellte.
Außer als Nahrungsmittel wurden die Muschelteile auch schon in prähistorischer Zeit als Schmuck verwendet. Im Neolithikum (Jungsteinzeit, ca. 5000-2000 v. Chr.) wurden innerhalb Europas Muschelhälften als Handelsware genutzt und über weite Strecken transportiert, wie Funde von Muschelschalen in der Bandkeramischen und in der Theiß-Kultur belegen.
Fundstücke zeigen, dass in der Zeit des frühesten Neolithikum in der asiatischen Mehrgarh Kultur ebenfalls Schmuckgegenstände aus Muscheln gefertigt wurden. In Südamerika besaß in präkolumbianischer Zeit besonders die Spondylus princeps (Stachelauster) für den Menschen eine sehr große Bedeutung. Bei den Nazca-Kulturen, den Moche, den Chimú und bei den Inkas dienten die Muscheln der Spondylus-Arten außer als Delikatesse zur Schmuckherstellung, insbesondere als Halsketten, als Grabbeigabe und vermutlich zu anderen rituellen Zwecken. Der Beiname "Regenmacher-Muschel" für die Spondylus-Muschel, tritt im Zusammenhang mit dem alle 2-7 Jahre auftretenden Wetterphänomen El Niño auf, bei dem es neben Unwettern zum Zusammenbruch ganzer Nahrungsketten, besonders zum Massensterben von Meerestieren oder deren Abwanderung kommt, so dass der Mensch ebenfalls unter einem Unterangebot an Nahrungsmitteln leidet.
Die Bedeutung der Spondylus-Muschel ist in erster Linie die der Fruchtbarkeit und der lebensspendenden Wirkung. Auf Grund ihrer leicht rötlichen Färbung und ihres hohen Symbolwertes wird die Spondylus, die Stachelauster, in Lateinamerika auch oro rojo, "rotes Gold" genannt. Neben den Spondylus-Muscheln wurden bei den Inkas Schneckengehäuse, die sogenannten Pututu, die Töchter des Meeres, wie Hörner eingesetzt, um bei kultischen Handlungen die Berggötter, die Apus, auf die Not der Menschen aufmerksam zu machen.

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